》IM DIALOG 《
Isabella Ulrich im Dialog mit dem Arzt und Psychotherapeuten Michael Schlicksbier-Hepp zum Thema Humanistische Priesterschaft:
MSH: Isabella Ulrich Vielen Dank für die Antworten. Einiges ist den Insidern oder Experten
(„Initates“) vorbehalten. Ich verstehe es und merke gleichzeitig an, dass dies heutzutage nicht unbedingt Transparenz bringt und Vertrauen fördert. Paulus
hat zumindest versucht, (sich) zu erklären, ob er sich immer selbst verstanden hat, wage ich zu bezweifeln. Ich frage auch nach der Form, interessiere mich aber auch immer für Inhalt und
Bedeutung.
IU: Die Form der Humanistisch-integralen Priesterschaft baut auf der Tradition auf, in welche ich selbst initiiert wurde. Ich entstamme
ursprünglich einer Familie mit einer hereditären prophetischen Gabe. In meiner Stammfamilie väterlicherseits wurde sie nur von meiner Urgroßmutter vertreten. Sie verststarb zu einem Zeitpunkt, an dem
ich mir meiner Gabe noch nicht wirklich bewusst war, also konnte sie mir dazu keine initiatorischen Maßnahmen mitgeben. Ich weiß lediglich ein paar Geschichten von meinem Vater, dass sie bis auf die
Zeugung ihrer beiden Kinder enthaltsam gelebt hat, und dafür auch in Kauf genommen hat, dass mein Urgroßvater seinen Bedürfnissen mit anderen Frauen nachkam. Über ihre Gabe selbst, sprach sie nur mit
engsten Freunden, und es blieb kaum jemand übrig, den man noch fragen konnte. Daher musste ich mir andere Wege suchen, um die Gabe zu kultivieren. Dazu wurde ich durch die Lehrzeit in mehreren
initiatorischen Linien ermächtigt, und letztendlich im Stamm der Zulu durch Makhosi Gobela Gogo Dorkas Mametsi Tsiamo Monzo im April 2019 geweiht. Als geweihte Prophetin bekleidet man in dieser
Tradition auch das Amt der Preisterschaft. Diese beiden Funktionen gehen Hand in Hand.
Diese Tradition ist eine monastische und eremitische Tradition. Wie leben in einer sehr strengen spirituellen Praxis und Routine. Dazu gehören auch
freiwillige Enthaltsamkeit, eine strenge Ernährung, sowie asketische Zyklen während der Vorbereitung auf Zeremonien oder während einer spirituellen Disziplin. Wie leben im Hause des Lehrers während
unseres Noviziates, und auch nach der Weihe kehrt man immer wieder für Zeremonien und Exerzitien dorthin zurück. So werde ich das auch weiterführen. Aus diesem Grund möchte ich auch gerne ein
humanistisches Kloster gründen, um den InitiatInnen das zu ermöglichen. Über den Inhalt der Tradition kann ich nur soviel sagen: Unser priesterliches Zingulum
(Gürtel) ist 3-färbig, und zwar weiss, blau und rot. Weiss steht für Frieden stiften und in die Ganzheit/Heilung bringen. Blau steht für die Prophetische Gabe und die Fähigkeit wahrhaftig zu
sehen/wahrnehmen/sprechen. Rot steht für die Inkarnation (Menschwerdung) und bewussten Verkörperung des allem innewohnenden göttlichen Ursprungs, Liebe und
Wandlung.
Der Weg und die Methoden, einen Menschen dabei zu begleiten, sich die Fähigkeiten zu kultivieren, die diese drei Farben zum Ausdruck bringen, ist von
Mensch zu Mensch verschieden. So, wie ich im Noviziat auf jeden einzelne Novizin oder Novizen eingehen muss, um sie oder ihn dabei zu begleiten und anzuleiten, so ist auch die humanistische
Priesterschaft eine Form der sehr persönlichen und spürbaren Zuwendung an den Einzelnen, und wieder genau in diesem Sinne. Priesterschaft ist bei uns 1:1! Es gibt schon große Zeremonien und
öffentliche Teachings. Doch was getan wird, richtet sich nach dem, was es für den Einzelnen braucht. Unsere Zeremonien haben einen klaren Fahrplan, wie sie aufgebaut sind. Doch was in der Zeremonie
oder dem Ritual speziell gemacht wird, wird je nach Bedarf sehr individuell gestaltet. Dazu braucht es eine Menge Erfahrung und wirkliche Kompetenz. Zentrales Thema ist immer das Heiligen/in die
Ganzheit zurück bringen. Priesterschaft ist keine Dienstleistung. Wir zaubern mal nicht so mir nix dir nix ein Ritual für jemanden, weil er sich das wünscht. Die Frage ist immer: was ist notwendig um
mit sich selbst und der Welt im Einklang/Frieden zu sein. Nicht, was will ich gerade.
MSH: Übrigens funktioniert die Magie des Herzens nur bei herzoffenen und ganzheitlich integrierten Menschen; egal wieviel man ihnen den
Mechanismus beschreibt oder die Zaubersprüche aufschreibt, selbst wenn sie der Form genügen und ihre Verkleidung anlegen, es wird keine lebendige, berührende und inspirierende Wirkung in diese und in
jenseitige Welten erfolgen.
IU: Richtig. Deshalb lasse ich mir viel Zeit in der Auswahl der Novizen und der Initiationsarbeit, bis sie die Profess ablegen können.
Aus diesem Grund ist diese initiatorische Arbeit ab dem Noviziat auch ohne finanzielle Gegenleistung. Damit man sich Zeit lassen kann. Und damit sie nicht käuflich wird. Damit ich nicht käuflich
werde!
MSH: Zu den Einzelheiten: Um sich von Ahnenaufträgen und Kontrakten zu entbinden, sind allerhand „Magien“ im Umlauf, nicht nur die
verschiedener priesterlicher „Magier“. Tatsächlich leisten manche Schamanen, Aufsteller und Psychotherapeuten ganz passable Arbeit und selbst die Begegnung mit Menschen, die ohne Weihen hellsichtig
oder prophetisch arbeiten oder sehr verwirklicht sind und eine sehr reine, selbstlose, liebevolle Ausstrahlung haben, können Selbstheilung und Befreiung initiieren. Vielleicht haben Priesterschaften
da zu Professionalisierung, Ritualisierung aber auch Monopolisierung beigetragen.
IU: Ja, sowohl als auch. Wobei die moderne monotheistische Priesterschaft wie wir sie heute kennen, kaum noch die prophetische Gabe mit
einbezieht. Sie folgen einem strengen Ritus und fix vorgegebenen Ritualen. Hier ist kein Milimeter Platz, um genau hinzugehen, welche Form der Zuwendung und Form der Zeremonialarbeit es gerade
braucht. Hier gehe ich ganz gezielt anders vor in der Humanistisch-integralen Priesterschaft! Vor allem ist mir die Kompetenz und Qualität wichtig! Ich bin nach 20 Jahren intensivem Training von der
Qualität vieler sogenannter Heiler, Schamanen und Sehern einfach nur entsetzt. Vor allem die Deutung in der Prophessie ist eine echte Disziplin. Das ist ein Handwerk! Die Gabe ist eine Fähigkeit, das
stimmt. Nur die Auslegung braucht jahrelanges intensives Training und vor allem empirisches Lernen. Ohne Nachweis deiner Fähigkeit nimmt dich kein Lehrer ernst. Wenn man von prophetischen Lehrern
unterrichtet wird, muss jede Aussage zutreffen! Sonst erhält man keine Weihe! Und diese Disziplin ist wichtig! Sie beeinflusst das Leben der Menschen die uns um Rat und Hilfe bitten, maßgeblich! Die
Verantwortung ist unermesslich.
MSH: Wir dürfen m. E. auch nicht außer Acht lassen, dass in den menschlichen Priestergemeinschaften die Themen Macht und Machtmissbrauch,
Ruhmsucht, Gier und Dominanz eine Rolle spielten und spielen. Die Ursache ist ein Mangel an Vertrauen und Liebe. Sie führt zu einem Mangelbewusstsein und daraus zu Kompensationsmechanismen.
IU: Auch hier stimme ich zu. Das liegt jedoch an der Art und Weise der Ausbildung und die Ideologie dahinter, und nicht an den Menschen
die diese Berufung ausleben per se! Dazu dient in unserer Tradition die monastische Lebenspraxis, um dem entgegenzuwirken.
MSH: Im Gefolge der Machtthematik und des verengten Herzens wurden Rituale und Sakramente verändert und es schwang fortan immer der
ungeklärte Schatten der Priester und ihrer Konfessionen mit. So war die Taufe anders als bei Johannes nicht nur Klärung, Reinigung, Befreiung, Öffnung, Neugeburt und Zugehörigkeit oder Verbindung,
sondern eben auch das Gegenteil, nämlich Vernebelung, Verschattung, Unterjochung, Verschließen, Einengen, Erstarren, Abtrennung und Fesselung.
IU: Aus diesem Grund ist das Rituslisieren so gefährlich! Bruder David Steindl-Rast betont diesbezüglich immer wieder 'bleib beim
religare - bei der Rückverbindung'. In der Rückverbinden braucht es keine starren Riten. Das Rückverbinden selbst ist der einzig notwendige Ritus. Und der kennt unendlich viele Formen.
RELIGIONEN haben die Angewohnheit, weg vom 'religare' in ein 'religio' zu führen - eine Anbetung und Dogmatik zu entwickeln. Genau das versucht die
Humanistisch-integrale Priesterschaft tunlichst zu vermeiden. Sonst wird sie wieder ein Instrument der Macht.
MSH: Das kann man mit vielen magischen Ritualen zu den so genannten Sakramenten etwa der katholischen Kirche durchdeklinieren. Der
uninformierte und als Infans, Unmündiger bei der Taufe noch unbewusste Mensch gerät in kulturelle und kollektive Bande, die er nicht durchschaut und mit denen er metaphysisch, physisch und psychisch
gefügig und verfügbar gemacht und nicht nur lediglich verführt wird.
Der Missbrauch steht als Schatten hinter all den vorgeblichen Wohltaten unter Weihrauchschwaden und geistlichem Salbadern in prächtigen
Zeremonialgewändern. Ich weiß, Du willst es anders. Und dennoch schwingt mit jedem Gebrauch des Wortes Magie, Ritual, Sakrament, Kultus für die anderen Menschen eine Menge völlig unbewusst mit.
In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, wie Dein Priestertum sich zu folgenden Aspekten verhält, auch wenn Du es nicht im herkömmlichen Sinn als
religiös verstehen willst, gleichwohl aber auch nicht als atheistisch, wie es z.B. in den USA eine atheistische jüdische Gemeinde samt Rabbinat gibt.
Wie verstehst Du „Gottheit“ oder das Göttliche, den spirituellen Urgrund und wie ist Dein Priestertum darauf bezogen?
IU: In der Humanistisch-integralen Priesterschaft kommen die Priester:Innen aus unterschiedlichen Stammreligionen. Ein jeder hat hier
einen ganz persönlichen Zugang. Wichtig ist, dass da ein Zugang ist, der eben keine Vorstellung ist! Ich bestehe auf eine Erfahrung, die jegliche Vorstellung entmachtet und ein grundlegendes
'Erfahren des Göttlichen in sich Selbst' bewirkt hat! Eine 'Unio Mystica'! Darauf baut die Humanistische Priesterschaft auf!
Ich kann also nur von mir persönlich sprechen! Für mich ist das Göttliche in allem Existenten allgegenwärtig. In mir wie in dir. Im Hund wie im Baum. Im
Licht wie im Wasser. In einem multi-dimensionalen Kontext. Mein Priestertum bezieht sich darauf, den Einzelnen dabei zu begleiten herauszufinden, was seine tiefsten Überzeugungen sind, und wie in
ihrer Erfahrung das Leben in ihnen und durch sie wirkt.
MSH: Gibt es bei Dir „Gebote“, ob nun analog zu den Abrahamitischen oder Mosaischen oder zu den Buddhistischen bzw. zu den Ethiken der
großen religiösen Strömungen?
IU: Es gibt Empfehlungen. So waren die Gebote der abrahamitischen Religionen auch Gedacht: es hieß niemals 'Du sollst oder sollst nicht'!
Die korrekte Übersetzung aus dem hebräischen ist: "Du wirst bzw Du wirst nicht"! Im Sinne von: Wenn du dir dem schöpferischen Wesensgrund in dir bewusst bist, wirst du nicht töten! Du wirst Vater und
Mutter ehren! Du wirst nichts begehren, was nicht dein ist. Denn du ruhst in dir selbst! Und in diesem Sinne nehmen wir die Empfehlungen vieler verschiedener Tradition sehr ernst, und versuchen sie
in unsere Lebenspraxis mit einzubeziehen, aber als Orientierungspunkte! Wenn ich am Morgen erwache und merke, ich denke sehr böse über meine Mutter, dann ist das ein Indiz, dass mich etwas aus meiner
Ruhe gebracht hat! Da ist Klärungsbedarf!
MSH: Oder gehst Du ganz auf bestimmte Essenzen zurück, wie sie jesuanisch im Vaterunser, in der Bergpredigt oder buddhistisch in den
„Edlen Wahrheiten“ ausgedrückt werden?
IU: Ich persönlich nehme sie alle wahr, und gehe dann in eine äußere und innere Exegese. Was berührt mich daran? Was nicht? Was war die
grundlegende Aussage, um die es hier geht? Kann ich das auf mich selbst beziehen? Wenn ja, warum? Und was sagt das über mein Selbst und mein Bezug zum Umfeld aus?
MSH: Hat der Begriff der „Sünde“ in Deinem Kanon Bedeutung und wenn ja, welche? Gibt es bei Dir eine Taufe, die angeblich von der
„Erbsünde“ nicht befreit, einen aber für die Befreiungstat Christi vorbereitet?
IU: Sünde bedeutet so zu leben, dass es einem Selbst und anderen schadet - bewusst oder unbewusst. Gibt es das in meinem Kanon: JA! Aber
nicht als Sünde bezeichnet, sondern eben als fehlende Selbstachtung und Achtung anderer. Die Taufe ist eigentlich ein Sakrament, das die Familie ihrem Familienmitglied spendet. In dieser Zeremonie
wird das Kind energetisch von allen unsichtbaren Rucksäcken der Vorfahren befreit, die es daran hindern könnten, ganz sich selbst zu sein und zu bleiben. Dazu gehört für mich das Versprechen der
Familie, darauf zu achten, es nicht mit den eigenen Traumata zu belasten! 'Jeder trägt sein Päckchen selbt. Du darfst frei sein, und werden, wer du wirklich bist!' Und ja, natürlich gibt es diese
Zeremonie in der Humanistischen Priesterschaft. Dabei wird die ganze Familie dazu aufgefordert, sich ihrer Themen bewusst zu werden, die ein Kind und sein Selbst belasten könnten. Und das Versprechen
gehört dazu, das von nun an bewusst zu bearbeiten. Alle gehen ins Wasser! Unsere Taufen sind etwas anders ...

MSH: Gibt es bei Dir ein Bußsakrament und die Beichte? Welche Vollmacht schreibst Du hinsichtlich Sündenvergebung und Reinigung von
Schuld Deinem Priesterhandeln zu? Arbeitest Du mit dem Konstrukt von Schuld oder eher mit dem der ethischen Verantwortung? Gibt es in Deiner priesterlichen Vorstellung so etwas wie eine dualistische
Weltenrealität von gut und böse?
IU: Den heiligen Raum zu schaffen, um sich etwas von der Seele zu reden und dabei Vergebung zu erfahren, ist einer der wichtigsten
Dienste als Priester:In. Das ist Alltagsdienst. Jeder Tag ist voll davon. Als Priesterin begleite ich den Umgang des Menschen mit seinen eigenen Dämonen. Und die haben wir alle! Auch ich selbst! Ich
begleite den Ungang damit und das wieder in den Frieden kommen damit! Ich selbst löse da gar nichts! Das wäre dann genau die Stelle, an welcher sich manche Priester als Pseudo-Erlöser anbieten, und
das ist für mich einfach purer Blödsinn! Und als tief spirituelle Christin würde ich sagen: Jesus bezeichnet das innerste Göttliche Wesen eines jeden Menschen als CHRISTUS. Die Aussage in den
Evangelien 'nur durch mich', bedeutet in diesem Sinne 'nur durch Christus in dir' - durch die Verbindung zu dir SELBST - findest du Vergebung. Als Priesterin begleite ich diese Rückverbindung.
Böse ist, was Unheil schafft. Und natürlich gibt es das. Und zwar im großen Stil.
MSH: Gibt es Teufel, Satan, Luzifer, Dämonen und was sind sie dem Wesen nach? Gibt es Engel und abgefallene Engel? Gibt es eine Hölle,
ein Fegefeuer, eine Unterwelt? Treibst Du Dämonen aus und hast einen Exorzismus in petto?
IU: heisse Fragen. Ja, Ja. Ja. Ja. Ja. Und. ..Ja.
Nicht meine Lieblingsthemen, aber ja.
Hierfür braucht es ein tieferes Verständnis der Leser. Darauf näher einzugehen würde ganz viele Fragen aufwerfen. Die qliphotische Seite der Existenz
bespreche ich mit meinen Novizen relativ am Ende des Noviziates. Und das bewusst. Man muss sie erfahren haben, um damit umzugehen. Vorher gibt es auch keine Weihe, denn damit umzugehen ist notwendig.
Vor allem, in einem Selbst.
MSH: Gibt es ein ewiges Leben oder ein Leben nach dem Tod? Wenn Du von Übergangsritualen sprichst, Geburt, Aufnahme in die Gemeinde,
Eheschließung, Fruchtbarkeit, Krankheit (Krankensalbung) Tod, was bedeuten für Dich spirituell z.B. Geburt und Tod? In welche Gemeinde bzw. Gemeinschaft werden wir heutzutage initiiert oder möchtest
Du initiieren?
IU: Das alles sind Fragen, deren Antworten man ERFAHREN muss. Es geht um Erfahrung. Nicht um Annahmen. Ich habe meine Erfahrung gemacht.
Ich begleite andere Menschen als Priesterin, sich ihrer Erfahrungen mit diesen Themen bewusst zu werden. Initiieren tut einen das Leben selbst!
HSH: Welche Tätigkeit ordnest Du den Priestern zu, welche Zelebranten und welche Seelsorgern? Gibt es Unterschiede in der priesterlichen
Vollmacht, die vom Geschlecht und der Erfahrung in seinem / ihrem Geschlecht abhängen? Wie stellen Priester und Priesterinnen jeweils „kultische Reinheit“ her? Gibt es da Unterschiede?
IU: Ja, da gibt es große Unterschiede! Nicht grundsätzlich in der Lebenspraxis (aber zum Teil auch dort, zB Askese in der Priesterschaft)
aber im Kompetenzbeteich! Priesterschaft ist ein holarchischer Prozess, der erst durch die Selbsterfahrung, dann Integration, dann in die Seelsorge, dann in die Zelebrantenarbeit, dann in ein
Noviziat führt, und erst zuletzt in die Priesterschaft selbst, die neben der Mystik ein umfassendes magisches Verständnis erfordert. Das ist ein Prozess den Männer und Frauen sehr unterschiedlich
erleben und begehen. Die Kultische Reinheit ist von Anfang an Thema, denn man braucht lange um es zu erlernen und zu integrieren. Das ist dann priesterlicher Alltag.
MSH: Gibt es eine Hierarchie unter Deinen Priestern und eine Höherstellung der Priester gegenüber Nichtpriestern (Gläubige, Jünger,
Gemeindemitglieder“Volk“)?
IU: NEIN! Darum geht es ja in der Integralität! Es entsteht normalerweise eine natürliche und authentische Hierarchie durch
Lebenserfahrung. Älteste (Prespytheros=Priester) ernten auf natürliche Weise Ansehen, wenn sie wahrhaftige Weise und Wissende sind. Aber es gibt in der Wertigkeit des Menschen an sich keine
Höherstellung oder Hierarchie! Wir sind nicht Priester für uns selbst! Wir dienen den Menschen! Wie könnten wir das, wenn wir uns höher stellen als sie selbst?
MHS: Gibt es eine Abhängigkeit von den Priestern, in dem diese Heilswerke verrichten können, die ein Laie nicht tun kann, deren er aber
bedarf?
IU: Es gibt hier auf jeden Fall einen Kompetenzbereich in der Priesterschaft, den ein Laie nicht abdecken kann! So wie du dir deinen
Blinddarm nicht selbst entnehmen wirst. Da bist du auch darauf angewiesen, dass jemand diese Fähigkeit ausgebildet hat.
MSH: Darf es (geschlechtliche) Beziehungen zwischen Priestern und „normalen“ Gläubigen als Empfänger von Sakramenten geben bei Bestehen
eines Hierarchiegefälles und einer dadurch begründeten und wenn auch „nur“ psychischen Abhängigkeit?
UI: Priesterschaft bedeutet nicht, dass man kein Mensch mehr ist. Wenn wir jemanden lieben, lieben wir! Wenn ich hier das Leben begrenzen
beginne, um einem Berufsstand eine Unantastbarkeit zu verleihen, dann enthebe man mich bitte meines Amtes! Dann habe ich irgend etwas fundamentales an der Priesterschaft nicht verstanden! Und ja, das
ist eine offene Kritik an der RKK. Es wird ein Thema in der Humanistischen Priesterschaft werden. Und wir werden damit umgehen! Jeden und jede Einzelne, den es betrifft. Das setze ich voraus, dass
ein Priester und eine Priesterin das bewältigen lernen! Das nennt man lebendig bleiben und dem Leben begegnen!
MSH: Wie erklärst Du einem Zweifler oder Skeptiker die Notwendigkeit Deines Priestertums?
IU: Gar nicht. Wenn er sie nicht braucht, braucht er sie nicht.
MSH: Welche Rechtfertigung siehst Du für die Weiterexistenz der diversen anderen Priesterschaften? Wann sollte jemand wie ich Deine
Dienste in Anspruch nehmen?
IU: Es braucht, was Menschen brauchen. Es gibt Menschen, die schaffen es noch nicht, einen Selbstbezug herzustellen. Jede Religion und
Priesterschaft bietet Werkzeuge dafür an. Ich spreche keiner dieser Priesterschaften ihre Möglichkeiten ab, Menschen zu dienen. Solange sie es wirklich tun. Das ist nicht immer der Fall. Ich bin für
jene Menschen da, die zu mir finden. Ganz egal ob sie einer Religion angehören oder nicht, und ob sie an etwas glauben oder nicht. Wichtig ist, was sie glauben, nicht woran ich glaube. Am Ende sollen
sie den Glauben an sich selbst wieder erlangen. Damit beginnt alles. Damit werden sie wieder fähig, das Göttliche in allem wahrnehmen zu können, und damit im Frieden zu sein.
MSH: Wie siehst Du die Religionsstifter der so genannten Weltreligionen? Stehst Du manchen näher oder ferner? Wie stehst Du zu den
diversen heiligen Schriften? Welche Bedeutungen haben für Dich indigene autochthone Kulte mit Bezug zu bestimmten Ethnien und lokalen Kulturen?
IU: Ich sehe sie als Mensch mit Erfahrungen. Menschen, die sich ihres wahrhaftigen Wesens bewusst waren. Die Schriften sehe ich sehr
kritisch. Das ist die Propheten-Natur...
Ich achte alle Traditionen und ihren Ursprung. Das heißt nicht, dass ich alles befürworte was sie als Dogma formulieren, oder es gut finde, wohin sie sich
mit der Zeit entwickelt haben.
MSH: Du schreibst an vielen Stellen, dass Du für Vieles offen bist und das auch interkulturell, interreligiöser und interkonfessionell
auch sein müsstest, doch wirst Du auch eine eigene Überzeugung haben.
IU: Meine Überzeugungen langsam abzulegen, und den Menschen in ihrem Sinne wahrhaftig im SELBST zu begegnen, ganz egal woran sie glauben
und woran ich glaube, ist eine meiner größten Herausforderungen. Und das ist es, was für mich persönlich bedeutet, eine Humanistisch-integrale Priesterschaft zu leben, und dieser Berufung geweiht zu
sein.